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Freundeskreis - Aktuelles

Freundeskreis der Kunstgeschichte am KIT -
Universität Karlsruhe (TH) - e. V.


Protokoll zum Vortragsabend im Advent am 30.11.2016 mit dem Thema:
"A comic history painter? Hogarth, Lichtenberg und die Moral der Stunde"

Um 18;00 Uhr begann die diesjährige Adventsveranstaltung im Seminarraum des Instituts der Kunstgeschichte mit der Begrüßung der Gäste durch Frau Müller-Wirth. Sie begrüßte insbesondere Herrn Prof. Dr. Jehle, Herrn Prof. Dr. Papenbrock und Frau Dr. Axtmann sowie Herrn Prof. Dr. Schneider.

Frau Müller-Wirth stellt in einem kurzen Vortrag die beiden Protagonisten Hogarth und Lichtenberg vor.

William Hogarth (1697 -1764) war ein englischer Künstler im 18. Jahrhundert, der in seinen Bildfolgen häufig Menschen darstellte, die in der britischen Gesellschaft durch moralische Verfehlungen eine schlechte Figur machten.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) war Professor in der Mathematik, Astronomie und Experimentalphysik in Göttingen. In Deutschland ist er eher als satirischer Schriftsteller, Kulturkritiker und Journalist bekannt. Von 1777 bis zu seinem Tod gab er den „Göttingischen Taschen Calender" heraus, in dem ab 1784 Erklärungen zu den Kupferstichen von W. Hogarth erschienen.

Prof. Dr. Jehle begann seinen Vortrag mit dem Bild eines Selbstporträts Hogarths "Der Maler und sein Mops" (1745). Er stellte Hogarth als sozialkritischen Maler und Graphiker dar, der als Vorläufer der modernen Karikaturisten gilt und in Gemälden und Kupferstichen, die oft als mehrteilige Bildergeschichten erschienen, die Sitten und Gebräuche seiner Zeit schonungslos und mit beißender Ironie geißelte. Nach dem Studium machte Lichtenberg zwei ausgedehnte Reisen nach England, in denen er W. Hogarth und dessen Malerei kennenlernte. Die Beschrei-bungen der Hogarthschen Werke in seinen Taschenkalendern machte den Maler populär.

Hogarth hat mit einem Satz von sechs Grafiken mit dem Titel "A Harlot´s Progress" das glücklose Leben einer Prostituierten beschrieben. Dies war als Thema für Grafiken in damaliger Zeit völlig neu und man benutzte den Ausdruck 'moralische Geschichten' (modern moral subject), um dieses neue Genre zu titulieren.

Als weiteres Beispiel wurde die Gemäldeserie "Mariage à la Mode" (1743) besprochen, die als Meisterwerk Hogarths angesehen wird. Darin kritisiert er die Torheiten der Oberklasse. Er stellt dar, wie ein reicher Bürger seine Tochter an den Sohn eines abgehalfterten Adligen gegen Geld mit dem Anspruch auf Gleichrangigkeit verheiratet. Während der Verhandlungen zwischen den Vätern schaut der Sohn gelangweilt aus dem Fenster. Dieser Vorgang findet in einem Raum, der mit reichem Mobiliar eingerichtet ist, statt. Z. B. hängen an den Wänden Bilder von berühmten Künstlern wie Ludovico Carraci.

Ebenfalls ein sehr bekanntes-Werk von 1745 ist "Der Maler und sein Mops". Hier stellt er sein ovales Selbstbildnis als Bild im Bild auf drei dicken Folianten, rechts sitzt ein Mops, links liegt eine Farbpalette, auf der eine geschwungene Linie (line of beauty) zu sehen ist. Im Jahre 1753 schrieb Hogarth sein Buch „The Analysis of Beauty", eine Zusammenfassung seiner künstlerischen und ästhetischen Prinzipien.

Georg Christoph Lichtenberg schrieb Ende des 18. Jahrhunderts seine berühmten, ganz im satirischen Geist der Kupferstiche verfassten deutschen Kommentare zu diesen Werken. Wegen der auch dadurch hohen Popularität der Hogarthschen Stiche kursierten zahlreiche Fälschungen und Raubdrucke, gegen die der Künstler 1735 in England ein Urheberrechtsgesetz (copyright law) erwirkte, das auch heute noch seinen Namen trägt (Hogarths Law).

Gegen 19:00 Uhr beendete Herr Prof. Dr. Jehle seinen Vortrag.

Frau Müller-Wirth bedankte sich bei dem Vortragenden und den beiden Studentinnen Frau M. Eckstein und Frau V. Hirth für die Mithilfe beim Aufbau des kalten Büffets.

Schriftführerin
gez. A. Weisenbach

 

Freundeskreis der Kunstgeschichte am KIT
- Universität Karlsruhe (TH) – e.V.
 

Protokoll zur Exkursion nach Colmar am 19.09.2016

Abfahrt um 8:00 Uhr am Ludwigsplatz mit einem Bus von Hirsch-Reisen bzw. 8:10 Uhr am Bahnhof mit Zwischenstopp in Baden-Baden. Es waren 21 Teilnehmer.

Frau Müller-Wirth begrüßte die Teilnehmer und erläuterte das Tagesprogramm. Dabei gab sie einen kurzen Überblick über die Geschichte Colmars.

Unter anderem erwähnte sie, dass Otto Dix als Kriegsgefangener in Colmar vom Isenheimer Altar sehr beeindruckt war. Mitte Oktober beginnt im Unterlinden-Museum eine Ausstellung „Otto Dix - le Retable d´Issenheim“

Bei der Einfahrt nach Colmar fuhren wir an einer kleineren Fassung der Freiheitsstatue von Frédéric Auguste Bartholdi vorbei, die dieser für New-York gefertigt hatte.

Um 10:00 erreichten wir den Parkplatz; die Altstadtführung begann um 10:30 vor dem Office de Tourisme. Die Stadtführerin Frau Dietrich brachte uns in humorvoller Weise die Altstadt nahe. Dabei sparte sie nicht mit persönlichen Anmerkungen aus ihrem Leben in Colmar.

Nach dem Mittagessen im Restaurant Pfeffel begann um 14:00 Uhr die Führung im Museum Unterlinden mit Frau Ina Bloch. Nach Umbau und Erweiterung wurde das Museum im Frühjahr 2016 wiedereröffnet.

Der Isenheimer Altar

Der Isenheimer Altar, ein Wandelaltar des Malers Matthias Grünewald (1475/1480 – 1528) und Bildhauers Nikolaus von Hagenau (1485 – 1526), wird der Renaissance zugerechnet. Merkmale dafür sind:

  • Lichterfüllte Räume
  • Darstellung des Körperlichen und Seelischen
  • Individualisierung der Gesichtszüge der Figuren
  • die Kraft der Farbe

Der Altar war Hochaltar der Kirche der Antoniterpräzeptorei in Isenheim. Der Antoniterorden kümmerte sich besonders um Menschen, die am „Antoniusfieber“ litten, das durch Absorption von Mutterkorn, einem Pilz, der damals insbesondere Roggen befiel, hervorgerufen wird und zum Tode führte.

Den Kranken wurde zunächst der geschlossene Altar gezeigt. Durch das hier drastisch dargestellte Leiden Jesus am Kreuz wurde ihnen bewusst, dass sie in ihrem Leiden nicht allein waren.

In einem späteren zweiten Schritt wurde der Altar geöffnet. Hier wurden die Kranken mit den in kräftigen Farben (Rot, Blau, Gelb und Grün) ausgeführten Symbolen des Glaubens konfrontiert: Verkündigung, Engelskonzert, Christi Geburt und Auferstehung.

Im letzten Teil des Altares werden die „Begegnung des Hl. Antonius mit dem Hl. Paul Eremit“, die „Versuchung des Hl. Antonius“ sowie die Figuren des Hl. Augustinus, des Hl. Antonius und des Hl. Hieronymus dargestellt.

Frau Müller-Wirth erwähnte die Ausstellung „Spätgotik am Oberrhein“ im Badischen Landesmuseum vor über 40 Jahren mit den Skulpturen aus dem Hochaltarretabel zu Isenheim „Landedelmann mit Hahn“ und „Bauer mit Ferkel“, die jetzt als Leihgabe des Badischen Landes-museums aufgestellt sind.

Ende der Führung: 15:30 Uhr

Zeit zur freien Verfügung zum Besuch der „Madonna im Rosenhag“ in der Dominikanerkirche und/oder der Besichtigung des Bartholdi Museums.

Abfahrt: 17:00 Uhr

Während der Rückfahrt liest Frau Müller-Wirth einen Zeitungsbericht aus der FAZ vom 09.07.2016 vor mit dem Titel „Alles Entsetzliche nimmt dieses Werk vorweg“. Das Nachleben von Grünewalds Werk in der Literatur der Moderne.

Ankunft in Karlsruhe: 19:00 Uhr

Schriftführerin
A. Weisenbach