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Oelsner, Gustav

dt. Architekt, Stadtplaner und Professor, * 23.02.1879 Posen/Westpreußen (heute: Poznan (Polen)), † 26.04.1956 Hamburg, Rel.: jüdisch (seit den Jugendjahren christlich evangelisch), Mtgl.: Freie Akademie der Künste Hamburg (1950, Gründungsmitglied)

 

Gustav Oelsner um 1952

     
   

Ausbildung, Tätigkeit vor 1933:
1896-1900 Studium an der TH Berlin-Charlottenburg
1899 Jahrespreis der Hochschule im Fach Architektur, Gastsemester an der TH München
1900 Erste Hauptprüfung, am 03.07. Ernennung zum Regierungsbauführer, von August bis Dezember Fortbildung in Italien
1904 im Mai Zweite Hauptprüfung (Prüfung zum Regierungsbaumeister), am 4. Juli Ernennung zum Regierungsbaumeister
1904-07 Bauleiter im preußischen Hochbauamt für die Technische Hochschule in Breslau; private Nebentätigkeit als Architekt; Kontakte zum Breslauer Künstlerkreis um Hans Poelzig und Max Berg
1907-11 Stadtbauinspektor in Breslau; Entwürfe mehrerer Schulgebäude
1911-22 Stadtbaurat in Kattowitz; städtebauliche Einflussnahme, Engagement in der Gartenstadtbewegung; Kontakt zu Bruno Taut
1920-21 Stellvertreter des Kattowitzer Oberbürgermeisters; vorübergehende Inhaftierung durch den Alliierten Kontrollrat
1922 Niederlegung des Amtes
1922-24 Kommissar des Volkswohlfahrtsministeriums
1924 Ernennung zum Stadtoberbaurat in Altona
1924-32 Leitung des kommunalen Wohnbauprogramms; städtebauliches Engagement zur Umsetzung der Ziele des Generalbebauungsplanes von 1923
1924-33 Bausenator in Altona
1929-33 Preußischer Vertreter im „Hamburgisch-Preußischen Landesplanungsausschuß“

Tätigkeit seit 1933, Exilstationen:
1933 am 11.03. Entmachtung und Verhaftung des Altonaer Magistrats (u.a. Gustav Oelsner)
1933-39 Zwangsruhestand
1937 Reise in die USA, Erkundung der Möglichkeit einer Emigration
1939 Emigration in die Türkei; Berater („Müsavir“) der türkischen Regierung in städtebaulichen Fragen
1940 Ernennung zum Professor h.c., Lehrtätigkeit an der TU Istanbul als Städteplaner

Tätigkeit nach 1945:
1948 auf Einladung des Senats besuchsweise in Hamburg; Entschluss zur Rückkehr
1949 am 15.02. Rückkehr nach Hamburg; Referent für Aufbauplanung in der Baubehörde Hamburg; im Sommer Aufenthalt in der Türkei
1950 Verleihung des „Fritz-Schumacher-Preises der Stiftung F.V.S.“ der Universität Hamburg, Vorsitzender der Sektion Hamburg-Schleswig-Holstein der Akademie für Städtebau und Landesplanung
1950/1951 im Wintersemester Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Istanbul
1952 Ruhestand in Hamburg
1955 Türkeireise; Ehrendoktorwürde der TU Istanbul; Krankenhausaufenthalt
1956 „Cornelius-Gurlitt-Gedenkmünze“ der Akademie für Städtebau und Landesplanung

Bauten/Projekte vor 1933 (Auswahl):
Volksschule an der Steinstraße in Breslau (heute Fachschule für Gastronomie an der Ulitza Kamienna), 1908/1909
Kleistschule in Kattowitz, 1912
Verwaltungsgebäude (heute Ministerium) in Kattowitz, 1913/1914
Auftrag des preußischen Volkswohlfahrtsministeriums zur Ausarbeitung eines Generalbebauungsplanes („Generalsiedlungsplan“) für den Groß-Hamburger Raum (Federführung: Städteplaner Prof. Dr. Josef Brix (Berlin)), 1923
Ausstellungshalle an der Flottbeker Chaussee in Altona, 1925 (Mitarbeiter H. Braun)
Zeilenbauten mit Ladenfronten an der Luruper Chaussee in Bahrenfeld, 1925/26 (Mitarbeiter E. Schröder)
Erweiterung der Siedlung Steenkamp in Altona, 1924-26 (Mitarbeiter E. Schröder)
Wohnblock an der Schützenstraße in Altona, 1925/26 (Mitarbeiter E. Schröder)
Entwürfe für das Wohnquartier Helmholtz- und Bunsenstraße in Ottensen, 1926/27
27 Zeilenbauten an der Bunsenstraße in Altona, 1926/27 (Mitarbeiter E. Schröder)
Pestalozzi-Schule in Altona, 1927
Entwürfe für das Arbeitsamt in Altona, 1927 (Mitarbeiter R. Lodders)
Schwimmstadion im Volkspark Bahrenfeld, 1927
Entwürfe für das Schwesternhaus in der „Allee“ in Altona, 1927
Siechenhaus Bahrenfeld, 1927/28 (Mitarbeiter H. Braun)
Entwurf für das Berufsschulzentrum („Haus der Jugend“) am Platz der Republik, 1928
Treppenhaus in der Pestalozzi-Schule in Altona, 1929 (Mitarbeiter Dr. Hinrichsen)
Wohnquartier Luruper Chaussee, 1929
Haus der Jugend in Altona, 1928-30 (Mitarbeiter H. Braun)

Bauten/Projekte 1933-45 (Auswahl):
Entwurf für die Technische Hochschule Ankara, 1942 (Zusammenarbeit mit Sedad. H. Eldem, Clemens Holzmeister und Emin Onat).
Keine Bautätigkeit in der Türkei.

Eigene Schriften (Auswahl):
Mehr als 45 Schriften, darunter viele Berichte und Erläuterungen zu seinen Entwürfen, einige Gedenkreden, Ansprachen und Vorträge.

„Der moderne Krankenhausneubau“, in: Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur, 89/1911, Bd. II.
„Wohnungswesen und Städtebau“, in: Selbstverwaltung und Demokratie, Nr. 15/1928.
„Der Neuaufbau und die Planungsprobleme in Hamburg“, in: Die Welt, 06.05.1950; auch in: Zeitschrift für Raumforschung, 1950 (1/2).
„Notizen eines Städtebauers“, in: Jahrbuch der Freien Akademie der Künste, 1952.
„Wandlungen der städtebaulichen Grundsätze“, in: Hamburg und seine Bauten, 1953.
Prof. Dr. h.c. Gustav Oelsner, Gedenkbroschüre in türkischer Sprache, o. O. 1956.

Literatur (Auswahl):
Nicolai 1998.
Erich Lüth (Hg.), Gustav Oelsner – Porträt eines Baumeisters, Hamburg 1960.
Christoph Timm, Gustav Oelsner und das neue Altona – Kommunale Architektur und Stadtplanung in der Weimarer Republik, Hamburg 1984.
Kemal Bozay u.a. (Hg.), Exil Türkei – Ein Forschungsbeitrag zur deutschsprachigen Emigration in die Türkei (1933-1945), Münster 2001.
SPD-Fraktionsforum, Altonaer Geschichte(n) – Der Architekt Gustav Oelsner (Auszug aus dem Buch Das neue Altona von Paul Th. Hoffmann, Band II, 1929), Informationen der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona Nr. 2/2002: 8-10.
www.architekten-portrait.de/gustav_oelsner/index.html
www.architekturarchiv-web.de
www.aktives-museum.de
www.architekten-portrait.de/gustav_oelsner/
www.juedische-architekten.de

Stiftung/Museum/Nachlass:
Hamburgisches Architekturarchiv: Zeichnungen, die Gustav Oelsner während seiner Italienreise und seines Aufenthalts in der Türkei angefertigt hat.
SAGA (Siedlungsaktiengesellschaft Altona): Zeichnungen seiner Wohnbauprojekte.


Bearbeitet von Heide Ulrike Schulz

 

Arbeitsamt in der Kieler Straße 39, Altona-Nord, 1926/27