Kunstgeschichte am KIT

Vorlesung: Auslöschen | Erasing
Prof. Dr. Inge Hinterwaldner
Donnerstag, 10.00 - 11.30 Uhr
1. Termin: 5.11.2020
Die Vorlesung findet online statt.

Tabula rasa statt horror vacui! Die Vorlesung behandelt die Kulturtechniken des Ausradierens, Eliminierens, Löschens, Zerstörens, Verdeckens, Versteckens, Kaschierens, Tarnens. Worin liegt die Produktivität dieser Vorgehensweisen? Es handelt sich um gestalterische Praxen, welche Kunstschaffende wie Architekt*innen vornehmen und nutzen. Ein Beiseiteschieben schafft Platz, ein Ausblenden lässt bei einer Aufgabenstellung neu ansetzen. Auch jenseits der Studios wird abgeräumt. Welche Motivationen steckten jeweils historisch und kulturspezifisch hinter ikonoklastischen Aktionen, die wir bis in die Gegenwart im öffentlichen Raum miterleben können?

Tabula rasa instead of horror vacui! This lecture deals with the cultural techniques of erasing, eliminating, destroying, concealing, hiding, camouflaging. In what ways are these procedures productive? Artists and architects alike employ and capitalize on these creative practices. Pushing aside generates space, fading out allows a new approach to a task. Even beyond the studios, the spatial arrangements and pictures are 'cleared'. What are the historical and cultural motivations behind the iconoclastic actions that we can experience in public space up to the present day?

Pro-/Hauptseminar BK II: Oral Contemporaries II
Prof. Dr. Inge Hinterwaldner
Montag, 16.00 - 17.30 Uhr
1. Termin: 2.11.2020
Die Veranstaltung findet online statt.

Welche Berufswege beschreiten Personen, die Kunstgeschichte studiert haben? Um das Spektrum an Möglichkeiten aufzuzeigen, werden Alumni und Alumnae unseres Instituts eingeladen, von ihrem Werdegang zu erzählen und ihren Beruf zu beschreiben. So werden Anforderungen und Profile deutlich. In einem Gegenbesuch werden diese Personen an ihrem Arbeitsplatz nochmals befragt. Foto- und Videodokumentationen dieser Interviews münden in kurze Videoclips und werden auf die Website des Fachgebiets Kunstgeschichte gestellt.

What career paths are open to people who have studied art history? In order to show the spectrum of possibilities, alumni and alumnae of our institute are invited to talk about their careers and describe their profession. In this way, requirements and profiles will be made clear. In a return visit, these people are interviewed again at their place of work. Photo and video documentations of these meetings are condensed into short video clips and are placed on the Art History website.

Pro-/Hauptseminar BK I/II/ÄK: Von Fluss und Zyklus. Zeitdarstellung in der Malerei | Flow and Cycle. How to depict time in painting?
Prof. Dr. Inge Hinterwaldner
Montag, 12.00 - 13.30 Uhr
1. Termin: 2.11.2020
Seminarraum/digital/e-Seminar

Seit den 1980er Jahren widmet sich die Kunstgeschichtsschreibung vermehrt Zeitlichkeitsaspekten von künstlerischen Werken. Bevor man sich der Frage nähert, wie Zeit ins Bild gesetzt wird, ist es nützlich, sich einer sehr allgemeinen Unterscheidung bewusst zu sein: Es handelt sich um die (heuristische) Differenz zwischen dargestellter Zeit und der Zeit der Darstellung (bzw. Bildzeit). Folgt man G. Boehm, so ist erstere traditionell an eine (affektiv oder körperlich bewegte) Figur gebunden, womit es sich um eine Zeit dreht, die einem Dargestellten eigen ist. Zweitere hingegen entspinnt sich im Wahrnehmungsvollzug des Sinnesangebots der Bildfläche. Die zentrale Frage ist hier: Wie und unter welchen Bedingungen konstituiert sich die Erfahrung von Zeitlichkeit in der Auseinandersetzung mit dem Bild? Welche Parameter und analytischen Konzepte stehen zur Verfügung, um auch jenseits dieses einschlägigen Phänomenbereichs Zeitanalysen im Medium der Malerei durchzuführen? Die hier nur schlagwortartig aufgelisteten Merkmale wie Instantaneität, Ereignishaftigkeit, Rhythmik, Sequenzierung, Verkettung von Episoden, Verzögerung und Beschleunigung, Fluss, Stillstand, Ruhe, Dauer, Indifferenz der Bewegungsrichtung versus Richtungsimpuls usw. werden dabei immer wieder anzutreffen sein. An Einzelwerken oder Werkkomplexen exemplarisch ausgewählter Maler seit der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert werden unterschiedliche Facetten von Zeitlichkeit diskutiert. Die eingehende Werkbetrachtung wird jeweils durch eine thematisch passend ausgerichtete Lektüre ergänzt und dient der kritischen Befragung der vertretenen Temporalitätskonzeption dieser Textvorlage. Die Bildbeispiele entstammen verschiedenen Gattungen (Historie, Genre, Landschaft, Stillleben). Näher behandelte Positionen sind: Brueghel d. Ä., Caravaggio, Chardin, Dürer, Giotto, Monet, Turner, Vermeer.

Einführende Basisliteratur:

  • Dittmann, Lorenz: Über das Verhältnis von Zeitstruktur und Farbgestaltung in Werken der Malerei, in: Piel, Friedrich/Traeger, Jörg (Hgg.): Festschrift Wolfgang Braunfels, Ernst Wasmuth: Tübingen 1977, S. 93-110.
  • Kubler, George: Die Form der Zeit. Anmerkungen zu einer Geschichte der Dinge, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1981.
  • Lamblin, Bernard: La peinture et le temps, Méridiens Klincksieck/Publications de la Sorbonne: Paris 1983.
  • Thomsen, Christian W./Holländer, Hans (Hg.): Augenblick und Zeitpunkt. Studien zur Zeitstruktur und Zeitmetaphorik in Kunst und Wissenschaften, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1984.
  • Baudson, Michel (Hg.): Zeit – Die vierte Dimension in der Kunst, Wiley-VCH: Weinheim 1985.
  • Paflik, Hannelore (Hg.): Das Phänomen Zeit in Kunst und Wissenschaft, Wiley-VCH: Weinheim 1987.
  • Aigner, Carl/Pochat, Götz/Rohsmann, Arnulf (Hgg.): Zeit/Los, zur Kunstgeschichte der Zeit, DuMont: Köln 1999.
  • Gill, Carolyn Bailey (Hg.): Time and the image, Manchester University Press: Manchester/New York 2000.
  • Pochat, Götz: Bild-Zeit. Zeitgestalt und Erzählstruktur in der bildenden Kunst des 14. und 15. Jahrhunderts, Böhlau: Wien 2004.
  • Gludovatz, Karin/Peschken, Martin (Hgg.): Momente im Prozeß. Zeitlichkeit künstlerischer Produktion, Reimer: Berlin 2004.
  • Sick, Franziska/Schöch, Christof (Hgg.): Zeitlichkeit in Text und Bild, Universitätsverlag Winter: Heidelberg 2007.
     

How and under what conditions is the experience of temporality constituted when looking at painted images? What parameters and analytical concepts are available to conduct temporal analyses in the medium of painting? Keywords, such as instantaneity, eventfulness, rhythm, sequence, chaining of episodes, deceleration and acceleration, flow and stillness are characteristics that can be produced and encountered in the most diverse forms. Among the artistic positions discussed are Brueghel the Elder, Caravaggio, Chardin, Dürer, Giotto, Monet, Turner, Vermeer.

Kolloquium Abschlussarbeiten | colloquium final theses
Prof. Dr. Inge Hinterwaldner
Montag, 18.00 - 19.30 Uhr
1. Termin: 2.11.2020
Die Veranstaltung findet online statt. 

Eine der Freuden fortgeschrittenen Studium besteht darin, dass man sich ein Thema suchen und sich damit vertieft und konzentriert auseinandersetzen darf. Forschendes Studieren macht Spaß, vor allem, wenn man den Punkt erreicht hat, an dem ersichtlich wird, dass man neue Zusammenhänge entdeckt, bislang nicht Untersuchtes in Angriff nimmt. Das Kolloquium lädt dazu ein, in jedem Stadium dieses Forschungs- und Schreibprozesses die Zwischenergebnisse zu präsentieren. Hier findet im Plenum ein Austausch über praktisch-handwerkliche wie inhaltliche Aspekte statt: Thematik, Arbeitsumfang, Gliederung, Argumentationsstrategien, Recherche usw.
An 5-6 Terminen verschränkt sich das Kolloquium mit dem Seminar "Oral Contemporaries II", bei dem die Studierenden die Gelegenheit haben, mit Alumni/Alumnae der Kunstgeschichte am KIT zu sprechen und sie nach ihrem Karriereweg zu befragen. Dies ist ein wichtiger Ausblick am Ende des Studiums und ein wertvoller Einblick in die Berufswelt.

One of the joys of advanced study is that you can choose a topic, devoting it deep and concentrated attention. Diving into research is fun, especially when reaching the point where new connections are discovered, or something not yet investigated appears on the horizon. The colloquium invites all to present interim results at each stage of their research and writing process. Here, an exchange of practical, technical and content-related aspects takes place in the plenum: topic, scope of work, structure, argumentation strategies, research, etc. are discussed.