Kunstgeschichte

Die Linienkunst um 1900 ist die Relaisstelle, an der das Unbewusste in den Hoheitsbereich des Disegno und damit der rezenten Zeichnungsdiskurse eintrat: Begegnete man in den okkultistischen Netzwerken und in den Parawissenschaften der Linie und der Zeichnung mit großem Interesse, eröffnet das Projekt die Prähistorie des dessin automatique und erschließt die romantische Tiefendimension von Schrift und Zeichnung als privilegiertem Notationssystem (para)psychologischer Phänomene. Formen einer „réalité suprême“ werden dort sichtbar, wo sich zwischen schreibender und zeichnender Hand und ihrer rationalen Kontrolle ein Spalt öffnet, wo Schreiben und Zeichnen nicht primär als einzuübende Kulturtechnik verstanden wird, sondern als graphische Registrierungen einer „Spontanéité“ psychischer Prozesse. Wie weit sich aber die Avantgarde um 1900 in Praxis und Theorie Denkmuster der Parapsychologie zu eigen machte, ist ein offenes Feld der Forschung. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Netzwerke, die sich zwischen den europäischen Metropolen entspannten und esoterisch interessierten Künstlern und Literaten, Philosophen und (Para)Psychologen ein Forum boten.

In diesem Forschungszusammenhang entstandene Abschlussarbeiten:

2020

  • Erstgutachten zur Masterarbeit von Frau Veronika Hirth zum Thema: Unica Zürn und der Mythos der lebendigen Puppe. Studien zur künstlerischen und ästhetischen Emanzipation in Form von Anagramm und Zeichnung.
  • Erstgutachten zur Masterarbeit von Frau Asmâa Senouci-Meflah zum Thema: Der spiritistische Fingerabdruck im Werk Egon Schieles. Eine Ästhetik nach Carl du Prel.

2019