Kunstvolles Spiel - Verspielte Kunst | Artful Play - Playful Art

Die Vortragsreihe bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um einen Diskussionsraum zu entwickeln, der das Potenzial des menschlichen Schaffens in der Kunst und die generativen Prozesse der Natur (natura naturans) erforscht, die sich in kunstvollen Formen, Figuren und Formen manifestieren. Kreative Prozesse (poiesis), die als Spielfunktion verstanden werden, wie es der bemerkenswerte Gelehrte Johann Huizinga einmal vorgeschlagen hat, beziehen sich nicht nur auf die Poesie, sondern auf alle menschlichen Kunsthandlungen, die es uns ermöglichen, sowohl den kreativen Prozess als auch die Materialien, aus denen der Mensch Dinge herstellt, zu bewerten. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die poiesis in einem breiteren Kontext zu betrachten, der alle Formen der Schöpfung (fingere) und der Gestaltung (fictio) umfasst. Der Akt des Spielens (ludere) mit Artefakten und Geräten bietet eine Plattform für experimentelles Denken und Komponieren in immersiven Kulturen, die sowohl spirituelle Erfahrung (performative Spiele und religiöse Spiele) als auch Simulation (von magischen Artefakten, die zwischen Spiel und Experiment operieren, bis hin zu Automaten und Computerspielen) umfassen. Eine allgemeine Analogie zwischen dem Kunstschaffen und den dynamischen Kräften der Natur ermöglicht es uns zugleich, den Horizont der formbildenden Prozesse der Natur zu betrachten, die ein breites Spektrum von ludi naturae hervorbringen. Die Erforschung des Phänomens generativer Prozesse und des kreativen Spielens aus einer Vielzahl von Blickwinkeln, Methoden und Fallstudien wird das Feld des kunstvolles Spiels – der verspielten Kunst erheblich erweitern und das Verständnis von bildgebenden Formungsprozessen und die vielfältigen Arten beleuchten, in denen Menschen im Laufe der Geschichte spielerisch mit ihren Geräten und Artefakten in verschiedenen kulturellen Räumen verflochten waren und sind.

The conference series brings together scholars to develop a space of discussion that explores the potential of human making in arts and nature’s generative processes (natura naturans) manifested in artful shapes, figures and forms. Creative processes (poiesis) understood as a play-function as the remarkable scholar Johann Huizinga once proposed, refer not only to poetry but to all human artifice, allowing us to evaluate both the creative process and the materials from which human make things. In this regard, it is necessary to consider poiesis in a broader context, encompassing all forms of creation (fingere) and shaping (fictio). The act of playing (ludere) with artefacts and devices provides a platform for experimental thinking and composition in immersive cultures that encompass both spiritual experience (performative games and religious plays) and simulation (ranging from magical artifacts operating between game and experiment, to automata and computer games). Further, a general analogy between art making and nature’s dynamic forces, enables us at the same time to consider the horizon of nature’s form-forming processes that bring forward a broad spectrum of ludi naturae. To explore the phenomenon of generative processes and creative playing departing from a variety of angles, methodologies, and case studies will significantly broaden the field of artful play - playful art, and will shed light on understanding image making shaping processes and the multiple ways in which humans have been, and continue to be, playfully entangled with their beautiful devices and artefacts across diverse cultural spaces throughout history.

Die Vorträge werden auch online gestreamt. Den Link und den Passcode für das Zoom-Meeting erhalten Sie per Email, bitte wenden Sie sich an helga.lechner∂kit.edu

Termine

13 Juni

Emilie Carreón Blaine

The contemporary play of a rubbed out game material animation and bouncing balls from Ancient Mexico

 

19 Juni

Linda Báez-Rubí

Severo ludere: The art of playing by combining spiritual forms with musical tunes.

 

27 Juni

Thomas Hensel

„RK200 #684 842 971« malt. Anspielungen auf die Poiesis der Hand“

 

11 Juli

Claudia Emmert

 

Choose your Player.
Gaming als gesellschaftsprägende Kulturtechnik.

 

18 Juli

René G. Cepeda

 

Artistic expression through video game mechanics

 

25 Juli

Natasha Adamowsky

“His Elephants Don't Drink.“ Alexander Calders bewegliche Skulpturen als grenzgängerische Objekte zwischen Spiel und Kunst



 

Von der Leinwand zum Bildschirm. Bewegtbilder in künstlerischen Kontexten

Organisation: Dr. Barbara Filser

30.01.2020, 18:00 Uhr
 

Miteinandersein: Performance und Kollaboration in Susan Moguls Videoarbeiten

Prof. Dr. Ulrike Hanstein (Köln)
 

 

Der Vortrag stellt frühe Videoarbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Susan Mogul vor. Die Neuausrichtung von dokumentarischen und konzeptuellen Arbeitsweisen in Videopraktiken des Feminist Art Movement sind dabei Bezugspunkte der Diskussion. Das seinerzeit neue Medium Video bot die Möglichkeit der wiederholten Wiedergabe, Vervielfältigung, Übertragung und unabhängigen Distribution. Video versprach, viele Personen und unterschiedliche Orte miteinander zu verbinden. Durch performanceorientierte Verfahren und kollektive Produktionsprozesse suchten feministische Videokünstlerinnen die Erfindung neuer sozialer Beziehungen anzustiften. Die emanzipatorische Aktivierung betraf dabei nicht nur den Arbeitsprozess, sondern auch die Räume und die Öffentlichkeit der Kunsterfahrung.
 

 

16.01.2020, 18:00 Uhr


„Hollis Framptons (nostalgia) (1971)“

PD Dr. Henning Engelke (Marburg)


„Ich wage zu behaupten“, schrieb der Experimentalfilmer Hollis Frampton im Jahr 1973, „dass eine Zeit heranbricht, wenn die gesamte Geschichte der Kunst sich als Fußnote zur Geschichte des Films erweisen wird ... oder wohin immer der Film sich entwickeln mag“. Immer wieder hat Frampton die Karten von Kunst und Film neu gemischt. In seinen Filmen wie theoretischen Texten entwarf er „rationale Fiktionen“, die Historiographien, Dispositive, Medienumbrüche ebenso wie die Verschränkungen von Bewusstsein und Technologie erkunden. Mein Vortrag geht diesen Zusammenhängen nach. Er konzentriert sich auf den Film (nostalgia) (1971), in dem Frampton sich mit seinen Anfängen als Künstler und zugleich mit dem Verhältnis von Fotografie und Film auseinandersetzt.

 

12.12.2019

„Gemeinsam produzieren - gemeinsam senden. Zusammenarbeit in der Videokunst der 1960er und 1970er Jahre“
Dr. Samantha Schramm (Stuttgart)

Videokollektive, darunter Videofreex, Raindance Foundation oder die Tee Pee Videospace Troupe, nutzen die in den 1960er Jahren eingeführte Portapak Videokamera von Sony, um gemeinschaftlich Sendungen zu produzieren und Events zu organisieren. Zum einen werden in kollektiven Praktiken des „Guerilla Television“ alternative Formen der politischen Berichterstattungen entworfen, in der Fernsehen stärker dezentralisiert und radikalisiert werden sollte. Zum anderen setzen Künstler- bzw. Aktivistengruppen in performativen Events die Videotechnologie und deren Möglichkeiten der unmittelbaren Übertragung sowie der erneuten Wiedergabe von audiovisuellem Material dazu ein, die Teilnehmer zu medialen Experimenten anzuleiten.


21.11.2019, 18:00 Uhr

„Bewegte und unbewegte Bilder Maria Lassnigs“

Priv.-Doz. Mag. Dr. Edith Futscher (Wien)

Von Lassnigs Animationsfilmen der 1970er Jahre ausgehend kann ein Blick zurück, einer voraus geworfen werden: auf einerseits die malerische Wiedergabe von Körperempfindungen, andererseits ihre sogenannt drastischen Bilder. Welcher Stellenwert Bewegung und Narration in diesem Projekt zukommt, wird anhand von Chairs (1971, 2 Min.) und dem Motiv des Sitzens – und sei es auch vor dem Fernseher – diskutiert.


14.11.2019, 18:00 Uhr

„Kulturelle Postproduktion. Museumsbeobachtungen in der zeitgenössischen Videokunst“

Dr. Stefanie Stallschus (Berlin)

Videokunst und Museum, das galt lange Zeit als eine eher komplizierte Beziehung. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass die Arbeit der Museen, ihre gesellschaftliche Bedeutung als Akteure der Kultur- und Wissensproduktion, in der zeitgenössischen Videokunst zu einem bedeutenden Thema geworden ist. Im Unterschied zum dokumentarischen Museumsfilm oder dem Videoaktivismus suchen Künstlerinnen und Künstler heute jedoch ganz bewusst die Zusammenarbeit mit der Institution, um gemeinsam mit dem Museum ihre eigene Erzählung zu entwickeln. Der Vortrag diskutiert anhand verschiedener zeitgenössischer Arbeiten die Idee des partizipativen Museums, die damit verbundenen Veränderungen im Verhältnis von Autorschaft und Produktion, aber auch die künstlerische Skepsis gegenüber dem Neuen Institutionalismus.

 

Von sichtbar Machen und sichtbar Werden. On Making Visible and Getting Visible

Sommersemester 2018